Nr. 19 Auf der Intensivstation

Hier liege ich -  überall  Schläuche, an den Händen, am Arm, in der Nase. Der Raum ist sehr hell. Rechts und links von mir sind Gardinen. Am Fußende stehen  kleine Tischchen mit  Messgeräten und Behältern, an der Wand eine Uhr.

Es ist gleich 11 Uhr. Lautlos geht der Krankenpfleger vorbei. Er guckt kurz bei mir rein, zwinkert mit den Augen und ist dann auch wieder verschwunden. Ich liege sehr bequem, es tut mir nichts weh, kann mich aber nicht bewegen, kann keinen Arm heben und keinen Finger rühren. Was mache ich  nun den ganzen Tag? An die Familie denken, klar.

 Könnte etwas spielen? Wörter suchen, z.B. Wörter die mit  „au” anfangen:  ausräumen, auspacken, ausschnauben, aufhalten, ausruhen……….da gibt es unheimlich viel.

Nun mal etwas anderes, ein bisschen singen! Vielleicht alte Schlager: Der Teodor, der Teodor, der steht bei uns im Fußballtor...Das machen nur die Beine von Dolores.....

Ich glaube, es geht mir sehr gut, gucke auf die Uhr, es ist  erst  10 Minuten nach elf.

Weitersingen:  Was machst Du mit dem Knie, lieber Hans beim Tanz... O meine Papa...Vor der Kaserne, vor dem großen Tor...

 Irgendwann muss ich eingeschlafen sein.  Der Krankenwärter ist nicht mehr da. Es ist jetzt eine Frau da. Sie wechselt an den Schläuchen die Behälter aus, spricht ein paar Worte mit mir und ich schlafe wieder ein. Als ich aufwache, ist meine Tochter da. Sie ist ganz bekümmert, beruhigt sich aber, als sie sieht, wie gut es mir geht. Zu Hause ist alles in Ordnung, sie hat Wäsche gewaschen, den Kater versorgt und eine ganze Menge eingekauft. .

Später ist der Krankenwärter wieder da. Er sagt, heute ist Badetag. Wie schön! Wie macht er das wohl? Er klappt das Kopfende vom Bett ganz runter, die Füße ganz hoch. Schon  kommt er mit einer großen Schüssel Wasser,  – und nun? Ich bin noch nie von einem Mann gebadet worden, nicht mal von meinem Papa als ich ein Baby war.

Die Schüssel stellt er unten wahrscheinlich auf einen kleinen Hocker, Kopf rein und die Haare werden gewaschen, danach alles  weitere. Wir haben sehr heiße Tage. Wie gut ich mich nach  dem  Bad fühle!

Das stellt auch der Arzt fest: Dieser Kranken geht es ja sehr gut. Dann wollen wir sie mal hier herausnehmen. 1,2,3 kommen Krankenpfleger, rollen mich rüber  auf eine Bahre und fahren mich ganz schnell in einen kleinen Saal  mit  noch 2 anderen Kranken.

In ihrer Gesellschaft verbringe ich meinen Krankenhausaufenthalt angenehm und bald sagt auch hier der Arzt: „Diese Kranke kann jetzt nach Hause und sich dort ausheilen!“
                                                   
Auf Wiedersehen, aber nicht so bald!

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