9. Kinderarmut

Lore, aus „Seniorentreff Feierabend“,  Deutschland

Neulich hatte ich ein Gespräch mit einer Bekannten über die Kinderarmut, die in Deutschland immer mehr zunimmt.

Doch wo beginnt Armut und was braucht ein Kind, außer Essen, Kleidung und vor allem Sicherheit und Liebe?

Meine Bekannte meinte grimmig:

„Es gibt keine armen Kinder, nur faule Mütter!“

Nun, so pauschal darf man das nicht sehen, oder?

Ich will mir hier kein Urteil erlauben, aber wenn ich zurückdenke an meine, nach heutiger Ansicht wohl armen Kindheit, dann kann ich nur sagen, ich habe es nie so empfunden.
Mein Vater hatte sein Erbe durch die Inflation verloren, meiner Mutter wurde ihre gesamte Aussteuer unterwegs im Zug gestohlen.

Meine Eltern fingen mit nichts an.

Die ersten Möbel zimmerte mein Vater aus leeren Bierkisten.

Wir hatten immer genug zu essen, weil meine Mutter aus nichts wunderbare Gerichte zaubern konnte, Kartoffeln waren immer da und Fleisch gab es nur sonntags, wenn überhaupt.

Spielzeug gab es nicht, aber wir hatten die Natur als Spielplatz und aus Sand und Wasser konnte man wunderbare Kuchen zaubern, mit denen wir dann „Verkaufen“ spielten. Wir waren glücklich.
Denn wir hatten Eltern, die uns liebten und uns Geborgenheit schenkten.

Ich erinnere mich, dass ich einmal eine Klassenfahrt nicht mitmachen konnte, weil meine Eltern das Geld dafür nicht hatten. Aber ich fühlte mich deshalb weder arm noch ausgegrenzt.

Vielleicht liegt heute die Latte zu hoch, um festzustellen, was der Mensch braucht, um nicht als arm zu gelten?

Kommentare

  1. Oh doch, es gab Kinderarmut. Ich hatte eine Freundin, die lebte auch in Armut aber nicht durch faule Eltern. Ich bin nicht arm aufgwachsen, habe aber Armut gesehen. Durch Hitler kam die Winterhilfe, das war ja sehr gut. Liebe Gruesse aus Massachusetts von Jutta

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  2. Sehr interessant. Ich stimme auch damit überein, dass die Ansprüche unangemessen hoch sind und dass in vielen Fällen die Eltern zu faul sind. Armut durch Krankheit ist was anderes. Aber in den meisten Fällen ist es Selbstverschulden.
    Wie oft trennen sich die Eltern auch zu schnell und dann sind die Mütter alleinerziehend
    und die Jammerei geht los.

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  3. wenn ich zurückdenke gehörte meine Familie zum Durchschnitt.
    Wir hatten, da meine Mutter nach dem Krieg um uns zu versorgen, für Leute nähte und wir hatten zwar keinen Überfluss, aber mußten auch nicht hungern.
    Meine Mutter stellte sich nach dem Krieg bei einem Metzger an der "Suppe" verkaufte. Das war die Brühe in der die Würste gesotten wurden. Ein paar Fettaugen täuschten uns vor wie gut sie sein.
    Oft hat meine Mutter damals geweint!

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