8. Ordnungssinn im Wandel
Hildegard Kunzi Deutschland - Argentinien
Ist einem diese Eigenschaft angeboren? Erlernt man sie durch Erziehung, Disziplin? Ich bin mir nie im Klaren darüber geworden.
Als Kind war ich nicht sehr ordentlich und habe so manche Ohrfeige und Schläge dafür erhalten. Ich erinnere mich, dass mir einmal ein Strumpf fehlte. Da es im Winter sehr kalt in meinem Zimmer war – keine Heizung, Eisblumen am Fenster- schlief ich natürlich mit Strümpfen. Trotz allen Schimpfens meiner Stiefmutter und meines eifrigen Suchens blieb der unselige Strumpf verschwunden.
Doch siehe da, als es hieß, es gäbe große Wäsche, was im Winter nicht jeden Monat geschah, fand ich ihn beim Federbettabziehen zusammengeknüllt im obersten Zipfel des Bezuges. Wie er dahin gekommen ist, weiß nur er alleine.
Dann, als jung verheirate Frau hier in Argentinien – und für viele Jahre – war ich superordentlich. Nirgends durfte ein Stäubchen liegen, ein schief hängendes Bild wurde sofort geradegerückt, es hieß,
bei mir könne man vom Boden essen, sehr zum Leidwesen meines Mannes und der Kinder, die ich nun meinerseits bedrängte, endlich ihre Zimmer aufzuräumen und ihre Strümpfe zu waschen, welches ihre Aufgaben waren, was sie natürlich meistens nicht taten.
Dieser Wandel kam nicht von heute auf morgen, er muss langsam vor sich gegangen sein, denn sonst würde ich mich daran erinnern, wie es dazu kam. Ich nehme an, es ist wie oft in unserem Leben, wir ändern uns und das ist auch gut so. Ich glaube, eine Person, die nie einen Wandel erfahren hat, ist jemand, der nie richtig gelebt hat. Etwas Neues ausprobieren, etwas wagen, auch wenn es nicht immer klappt, ist wie das Salz in der Suppe, Erfahrungen sammeln, weiterleben, nicht stehenbleiben.
Jetzt, wo ich Großmutter bin und den Staub auf den Möbeln ohne Brille sowieso nicht mehr sehe, habe ich wieder einen Prozess hinter mir. Auch da weiß ich nicht, wo er angefangen hat und logisch nicht, wann er zu Ende sein wird.
Ich weiß nur, dass ich, anstatt so viel zu putzen, lieber ein Buch nehme oder mir ansehe, wie im Garten alles blüht
So hat sich mit der Zeit der Kreis der Ordnung und Sauberkeit geschlossen und ich bin fast wieder da, wo er mal angefangen hat. Die große Frage ist: Stehe ich alleine da oder gibt es viele andere, denen es auch so ergangen ist?
Ist einem diese Eigenschaft angeboren? Erlernt man sie durch Erziehung, Disziplin? Ich bin mir nie im Klaren darüber geworden.
Als Kind war ich nicht sehr ordentlich und habe so manche Ohrfeige und Schläge dafür erhalten. Ich erinnere mich, dass mir einmal ein Strumpf fehlte. Da es im Winter sehr kalt in meinem Zimmer war – keine Heizung, Eisblumen am Fenster- schlief ich natürlich mit Strümpfen. Trotz allen Schimpfens meiner Stiefmutter und meines eifrigen Suchens blieb der unselige Strumpf verschwunden.
Doch siehe da, als es hieß, es gäbe große Wäsche, was im Winter nicht jeden Monat geschah, fand ich ihn beim Federbettabziehen zusammengeknüllt im obersten Zipfel des Bezuges. Wie er dahin gekommen ist, weiß nur er alleine.
Dann, als jung verheirate Frau hier in Argentinien – und für viele Jahre – war ich superordentlich. Nirgends durfte ein Stäubchen liegen, ein schief hängendes Bild wurde sofort geradegerückt, es hieß,
bei mir könne man vom Boden essen, sehr zum Leidwesen meines Mannes und der Kinder, die ich nun meinerseits bedrängte, endlich ihre Zimmer aufzuräumen und ihre Strümpfe zu waschen, welches ihre Aufgaben waren, was sie natürlich meistens nicht taten.
Dieser Wandel kam nicht von heute auf morgen, er muss langsam vor sich gegangen sein, denn sonst würde ich mich daran erinnern, wie es dazu kam. Ich nehme an, es ist wie oft in unserem Leben, wir ändern uns und das ist auch gut so. Ich glaube, eine Person, die nie einen Wandel erfahren hat, ist jemand, der nie richtig gelebt hat. Etwas Neues ausprobieren, etwas wagen, auch wenn es nicht immer klappt, ist wie das Salz in der Suppe, Erfahrungen sammeln, weiterleben, nicht stehenbleiben.
Jetzt, wo ich Großmutter bin und den Staub auf den Möbeln ohne Brille sowieso nicht mehr sehe, habe ich wieder einen Prozess hinter mir. Auch da weiß ich nicht, wo er angefangen hat und logisch nicht, wann er zu Ende sein wird.
Ich weiß nur, dass ich, anstatt so viel zu putzen, lieber ein Buch nehme oder mir ansehe, wie im Garten alles blüht
So hat sich mit der Zeit der Kreis der Ordnung und Sauberkeit geschlossen und ich bin fast wieder da, wo er mal angefangen hat. Die große Frage ist: Stehe ich alleine da oder gibt es viele andere, denen es auch so ergangen ist?


Wunderschoen...so aehnlich ging es mir auch lb.Gruesse Jutta Hannover Massachusettys
AntwortenLöschenIch entdecke auch Ähnlichkeiten....
AntwortenLöschenich entsinne mich dass ich in meiner jungen Ehe nie ohne Staubtuch in der Schürzentasche rumlief.
AntwortenLöschenHeute? Oh je!!!!