5. Christbaumschlagen
von Petra Pluwatsch - Deutschland
Vor einigen Jahren habe ich einer kompletten Fichtenschonung im Bergischen Land den Garaus gemacht. Wie man so etwas schafft?
Ganz einfach. Indem man eine Pressemeldung nicht zu Ende liest. Ich war damals neu im Job und hatte gerade meine Ausbildung als Redakteurin hinter mir.
Bis zum Jahresende sollte ich die Reiseseiten des Kölner Stadt-Anzeigers betreuen, während der Kollege Urlaub im Schnee machte. Seine Anweisungen waren kurz und deutlich. „Auf die erste Seite knallst du den Aufmacher, möglichst was Exotisches. Auf die Zwei kommt was Deutsches, und auf der Drei nicht die Spalte mit den Notierten vergessen.“
Der Kollege klopfte mir aufmunternd auf die Schulter. „Wird schon werden.“ Ich seufzte leise und wühlte mich durch einen Stapel Pressemeldungen auf meinem Schreibtisch. Noch zwei Wochen bis Weihnachten. Wird schon werden!
Der hatte gut reden mit seinen 30 Jahren Berufserfahrung.
Okay, was Exotisches auf die Eins, was Deutsches auf die Zwei, und keinesfalls die „Notierten“ vergessen. Notierte, das waren kleine Meldungen aus der Region, in denen auf Veranstaltungen der örtlichen Fremdenverkehrsämter hingewiesen wurde: Bleigießen in der Eifel, Flohmarkt in Nörvenich, Nachtwanderung durch die Wahner Heide...
Eine Pressemeldung stach mir besonders ins Auge: „Kostenloses Christbaumschlagen in einem Örtchen im Bergischen Land. Anschließend geselliges Beisammensein bei Glühwein und Lebkuchen.“ Ich las nicht weiter, sondern tippte die freundliche Einladung in meinen Computer, versah die Meldung mit einer extra großen Überschrift und stellte sie auf die dritte Reiseseite. Auf der Rückseite der Pressemeldung standen auch noch ein paar Zeilen, aber die waren bestimmt nicht wichtig.
Der erste Anruf am nächsten Morgen kam vom Fremdenverkehrsamt des spendablen Örtchens. Die Sekretärin des Amtsleiters war am Apparat. Ihr Chef sähe sich außerstande, mit mir zu reden, teilte sie mir mit. Dazu sei er viel zu wütend. „Obwohl er gern wüsste, ob Sie Tomaten auf den Augen haben oder vielleicht einfach nur nicht lesen können.“ Das traditionelle Christbaumschlagen sei eine Aktion ausschließlich für Kölner Journalisten. Ein kleines Dankeschön für die gute Zusammenarbeit gewissermaßen. Das hätte doch groß und breit in der Pressemeldung gestanden. Ich schluckte. Sie schnappte hörbar nach Luft: „Und Sie setzen das groß und breit in die Zeitung. Jetzt stehen hundert Kölner mit Äxten vor unserer Tür und wollen für lau ihren Baum abholen.“
Der Herr Direktor habe gerade mit dem Förster gesprochen. „Wir müssen eine komplette Fichtenschonung freigeben, aber wahrscheinlich reicht nicht mal das.
Im nächsten Jahr bekam unsere Redaktion keine Einladung zum Christbaumschlagen im Bergischen. Mein Kollege hat das sehr bedauert.
Vor einigen Jahren habe ich einer kompletten Fichtenschonung im Bergischen Land den Garaus gemacht. Wie man so etwas schafft?
Ganz einfach. Indem man eine Pressemeldung nicht zu Ende liest. Ich war damals neu im Job und hatte gerade meine Ausbildung als Redakteurin hinter mir.
Bis zum Jahresende sollte ich die Reiseseiten des Kölner Stadt-Anzeigers betreuen, während der Kollege Urlaub im Schnee machte. Seine Anweisungen waren kurz und deutlich. „Auf die erste Seite knallst du den Aufmacher, möglichst was Exotisches. Auf die Zwei kommt was Deutsches, und auf der Drei nicht die Spalte mit den Notierten vergessen.“
Der Kollege klopfte mir aufmunternd auf die Schulter. „Wird schon werden.“ Ich seufzte leise und wühlte mich durch einen Stapel Pressemeldungen auf meinem Schreibtisch. Noch zwei Wochen bis Weihnachten. Wird schon werden!
Der hatte gut reden mit seinen 30 Jahren Berufserfahrung.
Okay, was Exotisches auf die Eins, was Deutsches auf die Zwei, und keinesfalls die „Notierten“ vergessen. Notierte, das waren kleine Meldungen aus der Region, in denen auf Veranstaltungen der örtlichen Fremdenverkehrsämter hingewiesen wurde: Bleigießen in der Eifel, Flohmarkt in Nörvenich, Nachtwanderung durch die Wahner Heide...
Eine Pressemeldung stach mir besonders ins Auge: „Kostenloses Christbaumschlagen in einem Örtchen im Bergischen Land. Anschließend geselliges Beisammensein bei Glühwein und Lebkuchen.“ Ich las nicht weiter, sondern tippte die freundliche Einladung in meinen Computer, versah die Meldung mit einer extra großen Überschrift und stellte sie auf die dritte Reiseseite. Auf der Rückseite der Pressemeldung standen auch noch ein paar Zeilen, aber die waren bestimmt nicht wichtig.
Der erste Anruf am nächsten Morgen kam vom Fremdenverkehrsamt des spendablen Örtchens. Die Sekretärin des Amtsleiters war am Apparat. Ihr Chef sähe sich außerstande, mit mir zu reden, teilte sie mir mit. Dazu sei er viel zu wütend. „Obwohl er gern wüsste, ob Sie Tomaten auf den Augen haben oder vielleicht einfach nur nicht lesen können.“ Das traditionelle Christbaumschlagen sei eine Aktion ausschließlich für Kölner Journalisten. Ein kleines Dankeschön für die gute Zusammenarbeit gewissermaßen. Das hätte doch groß und breit in der Pressemeldung gestanden. Ich schluckte. Sie schnappte hörbar nach Luft: „Und Sie setzen das groß und breit in die Zeitung. Jetzt stehen hundert Kölner mit Äxten vor unserer Tür und wollen für lau ihren Baum abholen.“
Der Herr Direktor habe gerade mit dem Förster gesprochen. „Wir müssen eine komplette Fichtenschonung freigeben, aber wahrscheinlich reicht nicht mal das.
Im nächsten Jahr bekam unsere Redaktion keine Einladung zum Christbaumschlagen im Bergischen. Mein Kollege hat das sehr bedauert.

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