4. Nikolaus

Von Dietlinde Tomys Deutschland - Argentinien

Ja, auf den Nikolaus freuten wir Kinder uns jedes Jahr, verband man ihn doch schon mit den Vorfreuden auf Weihnachten!

Aber aufregend war es schon, wenn der Nikolaus, den wir am Abend erwarteten, polternd mit seinen schweren Stiefeln, dem großen Sack auf dem Rücken und der Rute für die unartigen Kinder in der Hand, zu uns ins Haus kam.

 Besonders lebhaft erinnere ich mich an das Jahr, als meine Mutter mich an so einem Abend, es war schon dunkel und nur die Hauslampe draußen brannte, in den Garten schickte. Ich sollte von dem etwas verschneiten Immergrün ein paar Zweiglein holen, mit denen sie die Torte für meine Schwester, die am nächsten Tag Geburtstag hatte, verzieren wollte.

Ich war voller Unruhe, da ich fürchtete, der Nikolaus würde kommen, wenn ich da draußen alleine im Dunkeln war. Aber dann kam der schöne Moment, wo er an die Haustür klopfte und fröhlich empfangen wurde. Meine Mutter fragte ihn dann etwa so, wie es ihm denn auf seinem langen beschwerlichen Weg bei Eis und Schnee zu uns ergangen sei, während wir 3 Mädchen ungeduldig warteten, was er uns wohl mitgebracht hat. Aber wir mussten erst mal unsern Vers, den ich schön gelernt hatte, aufsagen:

Lieber guter Nikolaus, schau mich nicht so böse an,
stecke deine Rute ein, ich will auch immer schön artig sein.

Meine älteste Schwester amüsierte sich wohl etwas, sagte  keinen Spruch auf und bekam so nebenbei was mit der Rute ab. Aber trotzdem bekamen wir alle Pfefferkuchen und Süßigkeiten, ein paar Nüsse kullerten aus dem Sack und der gute Nikolaus strich uns auch mal mit seiner dick behandschuhten Hand, über den Kopf.  Wir waren glücklich!

Wie ich später erfuhr, hatte man sich in meinem Heimatort Eden zu dieser Zeit immer verabredet, welcher Vater zu welcher Familie ging, um die jeweiligen Kinder am Nikolaustag zu erfreuen.

Später, und auch als wir längst nicht mehr an den Nikolaus und Weihnachtsmann glaubten, stellten wir am Nikolausabend  einen besonders blank geputzten Schuh draußen vor die Tür, in der Hoffnung, dass der Nikolaus uns da etwas reintat. Wir fanden denn am nächsten Morgen auch manchmal nicht nur etwas Süßes oder Gebackenes zum Knabbern im Schuh, sondern es war auch manchmal ein kleines Geschenk dabei. Und nie fehlte ein kleines Tannenzweiglein im Schuh, der uns besonders in die vorweihnachtliche Stimmung versetzte.  Welche Freude!

Diesen Brauch habe ich bei unsern Kindern hier in Argentinien, wo es sonst nicht üblich ist, fortgesetzt. So standen denn am Abend 4 sauber geputzte Schuhe vor der Tür, die am Morgen mit Leckerem gefüllt waren.  Und natürlich mit einem grünen Zweig!

Gerne sangen wir damals und auch noch heute das Lied:

Lasst uns froh und munter sein
und uns recht von Herzen freu´n.
Lustig, lustig trallalala,
bald ist Niklausabend da.
Dann stell ich den Teller raus,
Niklaus legt gewiss was drauf.
Lustig, lustig...
Wenn ich schlaf dann träume ich,
jetzt bringt Niklaus was für mich.
Lustig, lustig...
Wenn ich aufgestanden bin,
lauf ich schnell zum Teller hin.
Lustig, lustig....
Niklaus ist ein guter Mann,
dem man nicht genug danken kann!
Lustig, lustig trallalala,
jetzt war Niklausabend da.


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